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Teil 6 - Vereine in Nieder-Gemünden

Verfasser: Bernd Reitz

Vereine spielen für das tägliche Leben eine wichtige Rolle. Sie ermöglichen es, dass Menschen sich mit gleichen Interessen in ihrer Freizeit treffen und ihren Leidenschaften in der Gemeinschaft nachgehen.

Während des Publizierens dieser Zeilen ist Deutschland seit mehr als 14 Monaten in einer Pandemie. Das Treffen von mehr als fünf Personen aus zwei Haushalten ist laut Verordnung untersagt. Gerade jetzt wird deutlich welch eine Bindungs- und Sozialfunktion von Vereinen ausgeht.

Wie wichtig Vereine sind, zeigt sich nicht nur in besonderen Zeiten. Es entsteht eine Solidarität unter den Teilnehmern.  Auch die Gewissheit, man ist nicht allein, spielt eine wichtige Rolle im Vereinsleben.

Die Funktion der Vereine für das Zusammenleben in Dörfern und Städten ist nicht zu unterschätzen. Vereine sind für das soziale Leben unerlässlich.

Die ersten vereinsähnlichen Zusammenschlüsse in Deutschland waren die Handelszünfte und die Kaufmannsgilden des Mittelalters, so entstanden die Musikgilden und auch die Meistersinger.

Die Bezeichnung „Verein“ gab es damals noch nicht.

In den Lesegesellschaften des 17. und 18. Jahrhunderts diskutierte der Adel über die Tagesereignisse, sie gelten als Vorreiter der Vereine. Ab dem 19. Jahrhundert spricht man dann von „Vereinen“.

Die Industrialisierung wandelte die Gesellschaft und belebte das Vereinswesen. Es entstanden Wohlfahrtsverbände und das Deutsche Rote Kreuz, darüber hinaus wurden Kultur- und Freizeitvereine gegründet.

Das Jahr 1848 war ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte, das Vereinsrecht wurde von der Nationalversammlung als Grundrecht anerkannt. Dieses Recht leitet das Vereinigungsrecht und Versammlungsrecht ab.

In den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts setzte dann ein regelrechter Boom von Vereinsgründungen und Zusammenschlüssen ein. Erinnert sei an der Stelle an Freizeitclubs, Fanclubs oder Motorradclubs.

Und damit kommen wir zu den Vereinen in Nieder-Gemünden:

Von Konfuzius stammt der Satz: „Wenn die Begriffe nicht richtig sind, so stimmen die Worte nicht, stimmen die Worte nicht, so kommen die Werke nicht zustande“.

Damit die Worte stimmen, wurden für das Zustandekommen dieser Zeilen viele Gespräche mit Zeitzeugen, Vereinsvertretern und Einwohnern geführt, dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.

Der älteste Verein des Dorfes Nieder-Gemünden wurde an Ostern im Jahr 1863 gegründet. Der MGV Eintracht hatte seinen ersten öffentlichen Auftritt am 18. Oktober 1863 anlässlich der 50-Jahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig. Dirigiert wurde der Verein zu dieser Zeit von Lehrer Rücker, siehe auch Teil 4 dieser Schriftenreihe.

Der Verein erlebte in der Folge ein ständiges Auf und Ab. Die Geschehnisse des Jahres 1933 griffen stark durch die Gleichschaltung in das Vereinsleben ein. Im Januar 1938 fand die letzte Generalversammlung vor dem 2. Weltkrieg statt. Erst im Jahr 1947 erfolgte die Wiederaufnahme der Sängertätigkeit. Liedertage und Wertungssingen zeigten eine erfreuliche Aufwärtsentwicklung. Familienabende und kulturelle Veranstaltungen prägten das Vereinsleben.

Zu den kulturellen Veranstaltungen des Vereins gehörten auch Theaterabende, diese fanden traditionsgemäß am 2. Weihnachtsfeiertag statt. Selbsteinstudierte Stücke bereicherten ebenso die Abende wie auch Gastspiele der christlichen Landesbühne Mittelrhein.

1963 beging der Verein sein 100-jähriges Bestehen, die Aushändigung der Zelterplakette aus der Hand des Hessischen Kultusministers war Zeichen der Anerkennung für die geleistete kulturelle Arbeit.

Das Interesse war in den folgenden Jahren rückläufig. 1972 musste der Chorgesang in Nieder-Gemünden eingestellt werden. Es folgte eine äußerst gedeihliche 14-jährige Zusammenarbeit mit dem Nachbarverein aus Ehringshausen.

Zum 1. Januar 1986 wurde die Zusammenarbeit gekündigt, aufgrund einer groß angelegten Werbeaktion, angestoßen durch einen Liederabend zur Kirmes 1985, hatte der Chorgesang in Nieder-Gemünden wieder eine Zukunft. Der Gesangverein rückte wieder in den Mittelpunkt des kulturellen Lebens in Nieder-Gemünden.

Aktuell wurde der Verein wegen Mitgliederschwund und Überalterung seit der Generalversammlung 2019 als ruhend gestellt. Aus einer Initiative heraus bildete sich ein Projektchor. Die 18 aktiven Sängerinnen treffen sich im 3-wöchigem Rhythmus. Der Gesangverein Eintracht hat derzeit 57 Mitglieder, davon sind 16 Ehrenmitglieder. Für den Projektchor werden neue Sänger und Sängerinnen gerne gesehen.

Der SV Nieder-Gemünden, seit 17. April 1970 durch Fusion mit dem TV 1920 Burg-Gemünden, zum TSV 1919/20 Burg-Nieder-Gemünden verschmolzen, wurde 1919 von sportbegeisterten jungen Männern als 1. FC Merkur aus der Taufe gehoben. Eine stetige Aufwärtsentwicklung kennzeichnete den Verein, so erfolgte am 3. April 1927 der Zusammenschluss mit dem 1908 gegründeten Schützenverein.

Neben den sportlichen Belangen bemühte sich der Verein, auch kulturell tätig zu sein. Es verging kaum ein Winter, in dem nicht die Laienspielgruppe Theaterstücke aufführte. Der 2. Weltkrieg bereitete allen Aktivitäten ein jähes Ende.

Die Neugründung wurde 1949 beschlossen. Der Name lautete von nun an SV 1919 Nieder-Gemünden. In den 50 er und 60 er Jahren war der Verein viermal Meister der A-Klasse, in 1964 wurde sogar der Landratspokal gewonnen. Bei dem in 1961 ins Leben gerufenen Ohmtalpokal war man lange Jahre Rekordgewinner.

In 1970 erlebte die Tischtennisabteilung ihre Geburtsstunde. Mit über 60 aktiven Spielerinnen und Spieler war sie in der Spitze mit 11 teilnehmenden Mannschaften am Rundenbetrieb einer der größten Abteilungen im Sportkreis Alsfeld. Sportlich brachte man sogar einen Bundesligaspieler hervor. Seit nunmehr über 10 Jahre ist die Abteilung aufgelöst.

 

Heute ist der TSV 1919/20 Burg-Nieder-Gemünden ein Verein mit einer Vielfalt von sportlichen Angeboten. Dabei war der Fußball schon immer ein Schwerpunkt. Besonderer Bedeutung kommt der Jugendarbeit zu. Aktuell ist der Verein in Altersklassen mit Jugendmannschafften vertreten; zum Teil mit eigenen Teams oder in Spielgemeinschaften mit Kirtorf oder Homberg/Ohm. Der größte sportliche Erfolg wurde in der Saison 2016/2017 mit dem Aufstieg in die Kreisoberliga gefeiert.

Das Sportheim, ein intakter Vorstand und eine große Anzahl von ehrenamtlichen Helfern runden das positive Erscheinungsbild ab.

In 1973 trat die Damengymnastikgruppe (seit 1968 in der Volkshochschule aktiv) dem TSV Burg-Nieder-Gemünden bei. Unvergesslich aus den ersten Jahren ist ein Fußballspiel der Damen gegen den Gemeindevorstand, wobei der Schiedsrichter von Schalke 04 war.

Die wöchentlich stattfindenden Gymnastikstunden werden von Anfang an von qualifizierten Übungsleiterinnen abgehalten. Zahlreiche weitere Kursangebote wie „Bauch-Beine-Po“, „Step Aerobic“ oder Gesundheitskurse runden das Angebot ab.

Doch auch neben dem Sport kommt die Geselligkeit nicht zu kurz. Fahrradtouren, Gymnastikschauen, Gaufamilienabende, Völkerballturniere und Darbietungen auf Sportplätzen gehören zum Repertoire.

Zu Faschingszeiten wird mit den Kindern durch das Dorf gezogen. Anlässlich eines Schlachtfestes 1978 im Gasthaus Decher wurden die Fremdensitzungen ins Leben gerufen. Die große Welt des Fernsehkarnevals wurde nach Gemünden geholt.

Zunächst im Saal Felsenkeller, später zusätzlich im Saal Schott und dann in der Turnhalle und jetzt in der Mehrzweckhalle (seit2003) wurde und wird ein weit über die Gemeindegrenzen beachtenswertes Programm auf die Bühne gebracht.

Eine Besonderheit von Anfang an ist der ausschließlich von Damen besetzte Elferrat, mit über 100 Mitwirkenden sind sicherlich Frau Burg und Frau Nieder, Kapitän Schmitt und viele Andere in bester Erinnerung. 

Seit den 70er Jahren steht auch ein sportliches Angebot für nicht fußballbegeisterte Kinder zur Verfügung.  In den 90er Jahren kam das „Eltern-Kind-Turnen“ dazu.

Das Angebot des TSV Burg-Nieder-Gemünden wird ergänzt durch die ca. 15-köpfige Männergymnastikgruppe. Diese hält in den Wintermonaten ihre Übungsstunde in der Turnhalle ab, die Sommermonate werden für Radtouren genutzt. Einmal jährlich unternimmt die Gruppe eine mehrtägige Radtour.

Jüngste Abteilung ist die in 2019 gegründete Badmintongruppe, gestartet mit 6 Personen ist daraus bereits ein stattliches Team aus 30 Personen geworden. An zwei Abenden wird in der Woche hart trainiert, die seit 2020 ins Leben gerufene Kidsmannschaft umfasst 15 Kinder. Um an den Turnieren teilzunehmen ist in naher Zukunft die Listung der Abteilung beim Deutschen Badmintonverband geplant.

Der TSV Burg-Nieder-Gemünden hat gegenwärtig 565 Mitglieder.

Erfreulicherweise wird in Nieder-Gemünden auf eine aktive Feuerwehr geblickt. Bereits am 7. September 1930 fand dazu die Gründungsversammlung statt. Wie in anderen Vereinen auch, forderte der 2. Weltkrieg seinen Tribut. Doch bereits 1952 wurde wieder mit dem Aufbau einer leistungsstarken Feuerwehr begonnen.

Mit diesem Aufbau sind die Namen Heinrich Otterbein, Günter Tromm und Otto Södler verbunden. Die Verantwortlichen der Nieder-Gemündener Feuerwehr haben früh erkannt, Jugendliche für den Dienst in der Feuerwehr zu gewinnen. So trafen sich bereits im Herbst 1968 siebzehn junge Männer zur Gründung der Jugendfeuerwehr Nieder-Gemünden. Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte ist der Neubau des Feuerwehrgerätehauses. Mit über 2000 freiwillig geleisteten Arbeitsstunden konnte der Bau am 21. September 1985 eingeweiht werden. Das Gebäude ist heute durch Umbaumaßnahmen Dorfgemeinschaftshaus und Feuerwehrgerätehaus in einem. Die Nieder-Gemündener Feuerwehr hat sich immer durch Vorwärtsstreben ausgezeichnet. Sie setzt ihre Kraft in der Freizeit ein und stellt ihr Können der Allgemeinheit zur Verfügung. In 2019 wurde die 23 Personen umfassende Einsatzabteilung zu 12 Brand- und Hilfeleistungseinsätzen gerufen. Die Jugend- und Kindergruppe umfasst 7 Jungen und Mädchen.

Im 90. Jahr ihres Bestehens hatte die Freiwillige Feuerwehr Nieder-Gemünden 143 Mitglieder. Durch das traditionelle Backhausfest, das Schlachtfest und die Teilnahme an den Ferienspielen ist die Feuerwehr in der Brauchtumspflege ein Aktivposten im Vereinsleben.

Ein noch junger Verein in seiner Geschichte und auch an der Zusammensetzung seiner Mitglieder ist die Burschenschaft „Edelweiß“. Sie wurde von elf männlichen Einwohnern 1963 gegründet. Der Zweck des Vereins ist die Förderung der Kameradschaft und der Geselligkeit. Fester Bestandteil im Vereinsleben ist das Abhalten der jährlichen Kirmes, seit 1971 als Zeltkirmes, zuvor war die Kirmes im Saal Decher. In 1991 wurde der Umbau des Gefrierhauses zum Jugendraum vollzogen. Seit dieser Zeit können auch Mädchen in die Burschenschaft eintreten.

Bedeutende Veranstaltungen kennzeichneten schon immer das Vereinsleben. Neben den Flippers(1983) gastierten  1991 die Kastelruther Spatzen in Nieder-Gemünden, auch ist das größte jemals in Nieder-Gemünden stattgefundene Burschenschaftstreffen am 12. Juli 2008 mit über 1600 Gästen legendär.

Das Vereinsleben der Burschenschaft wird u.a. durch Ausflugsfahrten abgerundet. Zu allererst sind die Burschenschaftstreffen, dann folgen Ziele wie Paris, Mittenwald, Mallorca, Berlin, Bodensee, Guntersblum und viele andere.

Neben den traditionellen Veranstaltungen wie dem Maifeuer, der Versteigerung der Dorfschönen und der Kirmes gibt es eine Winterwanderung.  Auch wird ein jährliches Benefiz-Winterfeuer für gemeinnützigen Zwecke abgehalten. Hier werden die Einnahmen als Spenden weitergeleitet.

Die Satzung sieht vor, mit Erreichen des 30. Lebensjahres oder der zuvor stattgefundenen Hochzeit verlassen die Mitglieder den Verein.

So war es naheliegend, dass in 1969 der Club Alte Kameraden gegründet wurde. Es handelt sich bei diesem Verein quasi um einen Ableger der Burschenschaft Edelweiß.

Der steile Aufstieg des Vereins begann mit der Wahl von Karl Schmitt am 9. April 1974 zum 1. Vorsitzenden. Es entstand die Idee, eine Schutzhütte mit Grillanlage und Kinderspielplatz zu bauen.  Im Laufe der Zeit entwickelte sich so, mit weit über 10000 freiwilligen Arbeitsstunden, ein Naherholungsgebiet auf dem Nikolausberg.

Im Juni 2018 überreichte die Europaministerin Lucia Puttrich dem Club Alte Kameraden einen Förderbescheid im Rahmen der Maßnahme: „Starkes Dorf-wir machen mit“.

2019 bezeichnete Landrat Görig anlässlich des 50-jährigen Bestehens in seiner Ansprache den Verein als Symbiose von Heimatpflege und Geselligkeit.

1998 hat sich in Nieder-Gemünden zu den Vereinen eine weitere Interessengemeinschaft hinzugesellt. Die Motorradfreunde „Beinhart“ zählen rund dreißig motorradbegeisterte Freunde. Es gibt keinen regulären Vorstand. Einzelne Mitglieder organisieren jeweils die Planung und Durchführung von Touren. Während zu Beginn die Mehrtagesfahrten ausschließlich von Männern unternommen wurden, so wird die Gruppe mehr und mehr auch durch Selbstfahrerinnen bereichert.

Innerhalb Nieder-Gemündens hat sich auch ein Teil des Fanclubs der Vogelsbergborussen etabliert. Der 65 Mitglieder zählende Fanclub von Borussia Mönchengladbach hat als Ziel, die Geselligkeit und den Zusammenhalt zu pflegen. Die Kameradschaft wird durch 3-4 jährliche Fahrten in den Borussiapark, das gemeinsame Fiebern vor der Großleinwand, durch Wanderungen und Grillfeiern gefördert. Das 15-jährige Bestehen wird mit einer Schifffahrt auf dem Main gefeiert.

Auch gibt es in Nieder-Gemünden einen Obst- und Gartenbauverein. Er ist im Mai 1892 im Gasthaus Södler gegründet worden. In 2017 wurde das 125-jährige Bestehen gefeiert. Von großer Bedeutung für den Verein ist der Obstanbau. Bereits in 1928 berichtet die Chronik von 2150 Obstbäumen in Nieder-Gemünden. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Verein 1951 reaktiviert. In all den Jahren stand die ökologische Bedeutung im Mittelpunkt.

Darüber hinaus steht der Obst- und Gartenbauverein auch für das Kultur- und Familienleben in Nieder-Gemünden.  Durch Anlage und Sanierung von Obstanlagen, die Anpachtung eines Gartengrundstückes und die Anschaffung einer Kelter zeigt der Verein sein reges Angebot für die Dorfbevölkerung. Auch Kinderwettbewerbe, Schnittlehrgänge, Teilnahme an Ferienspielen, Blütenwanderungen, Glühweinfeste, Dorfkinoabende und gesellige Ausflüge machen Mut für die Zukunft. Die Altersstruktur der Vereinsmitglieder liegt zwischen 3 und 95 Jahren. Mit über 100 Mitgliedern haben sich viele Nieder-Gemündener durch den Slogan „Bist Du in Nieder-Gemünden daheim, gehörst Du in den Gartenbauverein“ schon inspirieren lassen.

Seit 2015 gibt es in Gemünden die Flüchtlingsinitiative, die unter dem dach der evamgelischen Kirche gegründet wurde.

Die Initiative gibt Hilfestellung bei der Integration Geflüchteter, hilft in allen möglichen Bereichen und setzt sich ein für Begegnung und Toleranz zwischen verschiedenen Kulturen. Sie möchte das gegenseitige Kennenlernen und das Zusammenleben innerhalb der Gemeinde fördern. So gab es vor Corona ein monatliches Begegnungscafé, eine Fahrradwerkstatt  und eine Veranstaltungsreihe. Mit Theater, Filmen, Lesungen, Vorträgen, Konzerten wurde ein Kulturprogramm geschaffen, das inzwischen im gesamten Vogelsbergkreis und sogar darüber hinaus für Interesse sorgte. Der Landrat, ein Bundestagsabgeordneter, eine Landtagsabgeordnete, sie alle schauten schon mal beim Begegnungscafé in Gemünden vorbei. Das Programm soll einerseits über andere Länder und Kulturen aufklären, es soll Toleranz fördern oder einfach nur Spaß machen. So kamen schon Harald Lesch, die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano, Astrid Ruppert und viele andere zu unvergessenen Veranstaltungen nach Gemünden. Die Veranstaltungen waren alle kostenlos und wurden über Spenden finanziert. Die Initiative stellt sich auch den leider zunehmenden rechten Tendenzen entgegen. “Besser miteinander reden statt übereinander“ ist das Motto.  Toleranz heißt, den jeweils anderen akzeptieren und respektieren. Stolz ist man darauf, dass alle Aktivitäten sowohl für Geflüchtete als auch für Einheimische offenstehen. Viele Begegnungen, Kontakte und Freundschaften sind so schon in Gemünden entstanden. Es bleibt zu hoffen, dass die Flüchtlingsinitiative Gemünden nach der Corona-Pandemie alle Aktivitäten wieder fortführen kann.

Einen Teil seiner Mitglieder rekrutiert auch der Förderverein der Diakoniestation aus dem Ortsteil Nieder-Gemünden. Am 18. April 1991 wurde der Verein gegründet. Mit über 200 Mitglieder trägt er einen Teil zur Finanzierung bei und er informiert die Bürger über Ziele und Leistungen der Diakoniestation.

Die Anfänge der Jagdgenossenschaft lassen sich bis in die 1950 er Jahre zurückverfolgen. Die Genossenschaft in heutiger Form besteht seit 1976 aus dem Jagdbezirk Nieder-Gemünden und der Angliederungsgenossenschaft Otterbach. Sie hat 170 Anteilnehmer mit Flächen von 0,03 bis 141 ha, die Gesamtfläche der Genossenschaft beträgt 789 ha. Der Jagderlös gehört den Genossen, über die Verwendung wird in der Jahreshauptversammlung beschlossen. Von 1979 bis 2018 wurden für die Allgemeinheit (Feldwegeausbau, Spenden) ca. 150.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Zum Abschluss der Ausführungen zu den Vereinen in Nieder-Gemünden noch ein paar Hinweise auf nicht mehr existierende Vereine des ältesten Ortsteiles von Gemünden.

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es für kurze Zeit einen Kolpingverein; gegründet am 24. August 1958. Die Chronik berichtet auch von einer Landjugendgruppe, einer Volkstanzgruppe und dem Verband der Spätheimkehrer. Dieser Verband gründete sich am Ostersamstag 1954.

Ihre Existenzen verlierten sich schnell, andere Vereine waren der Wanderverein, die Gefriergemeinschaft und der Geflügelzuchtverein. Der Geflügelzuchtverein Burg- und Nieder-Gemünden wurde bereits 1930 im Gasthaus Södler gegründet; er existiert noch heute, jedoch aus Nieder-Gemünden hat der Verein keine Mitglieder mehr. Der KZV-Kaninchenzuchtverein hatte seinen Sitz in Burg-Gemünden, dennoch waren auch aus Nieder-Gemünden sehr engagierte und erfolgreiche Züchter dem Verein angehörend.

Die in 1973 gegründete Wandergruppe richtete in Nieder-Gemünden IVV Wandertage aus, an deren Spitze bis zu 3000 Wanderer zu Gast waren. Selbst der Turner Eberhard Gienger (Europa- und 1974 Weltmeister am Reck) war dabei Ehrengast in Nieder-Gemünden. Der Verein wurde mit Eintrag vom 18. April 2017 beim Amtsgericht in Alsfeld aufgelöst.

Der Frauenkreis, von Pfarrer Wörrishofen 1919 zur Gründung einer Schwesternstation ins Leben gerufen, trifft sich seit 2018 nicht mehr. Es gab ihn im Rahmen der kirchlichen Frauenhilfe. Legendär waren die zweijährig stattgefundenen Basare. Die Erlöse daraus wurden für gemeinnützige Zwecke gespendet. Die Frauenkreise waren sehr aktiv, das Konzept fand jedoch keine Nachfolgerinnen.

Vereine sind das Bindeglied sozialer zwischenmenschlicher Beziehungen, sie bringen Menschen zusammen. Gerade in Zeiten einer Pandemie wird jedem die Notwendigkeit von Kontakten deutlich.

Mögen alle Vereine in ihrer Beständigkeit weiter existieren, neue hinzukommen und sich immer wieder Menschen finden, die diesen Vereinen vorstehen, in ihnen ehrenamtlich zum Wohle aller Menschen mitwirken und somit ein Vorbild für die Gesellschaft sein.